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Tonkünstler-Forum

September 2017

Ulrich Roman Murtfeld spielt amerikanische Klaviermusik

Es ist schön, daran erinnert zu werden, dass die Vereinigten Staaten von Amerika mehr zu bieten haben als einen umstrittenen Präsidenten. Zum Beispiel eine reiche und hierzulande weitgehend unbekannte Musikgeschichte.

Bereit für Volume 1 seines "American Recital" stellte der Pianist Ulrich Roman Murtfeld überwiegend selten gespielte Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert zusammen. Nun präsentiert er fünf weitere amerikanische Komponisten, bei denen es wieder viele Entdeckungen zu machen gibt. Der älteste ist Alexander Reinagle: Der gebürtige Engländer siedelte 1786 in die amerikanischen Kolonien über und prägte jahrelang das Musikleben in Philadelphia. Dort entstand mit seiner zweisätzigen "Sonata No. 1 - Philadelphia" die vermutlich erste Sonate für Tasteninstrumente auf amerikaniscchem Boden. Stilistisch erinnert sie and Carl Philipp Emanuel Bach und Joseph Haydn, kann mit ihrem ganz eigenen Witz aber gut daneben bestehen.

Der größte Teil der CD ist der Klaviermusik des ersten amerikanischen Komponisten von internationalem Rang, dem in New York geborenen und in Europa ausgebildeten Edward MacDowell gewidmet. Seine "New England Idyls op. 62" verarbeiten die Eindrücke, die er in seinem Landhaus in New Hampshire sammelte. Den farbigen Naturschilderungen stellte er eigene Gedichte voran. Der so kurzen wie genialen "Jazz Sonata" von Georges Antheil und der düsteren "Three Page Sonata" von Charles Ives folgen kurze Stücke des 1985 verstorbenen Roger Sessions, dessen Berühmtheit als Komponist und Pädagoge sich fast ausschließlich auf die USA beschränkt. Seine 1940 entstandenen vier Charakterstücke "From my diary" sind mit ihrer tonalen, aber sehr komplexen und kontrapunktisch gearbeiteten Tonsprache eine echte Entdeckung. Murtfeld spielt sie quicklebendig und, wie auch alle anderen Werke dieser Einspielung, ohne jedes Pathos, aber mit warmem Ton. Eindrucksvoll ist auch das technische Können des Pianisten, das sich selbst bei den anspruchsvollsten Stücken nie in den Vordergrund drängt.

Moritz Chelius