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Schwäbische Zeitung

7. August 2017

Eine funkelnde Premiere in der Schlosskirche
Ulrich Murtfeld spielt ersten Klavierabend der Sommerkonzerte

Im 42. Jahr der Sommerkonzerte in der Schlosskirche hat am Sonntagabend zum ersten Mal ein klavierabend stattgefunden. "Perlen der Klaviermusik" hat der Pianist Ulrich Roman Murtfeld auf dem Flügel des Freundeskreises für Kirchenmusik in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen gespielt.
(...)
Zuweilen mochte man beim Auftakt an eine Glasharfe oder ein zierliches Spielührchen denken, so filigran kam Alexander Reinagles "Philadelphia Sonata No. 1" herüber. Sie zählt zu den ersten Klaviersonaten, die auf amerikanischem Boden geschrieben wurden, nachdem der Komponist mit österreichischen Wurzeln 1786 aus England nach Philadelphia ausgewandert war. Deutlich ist noch der Einfluss des empfindsamen Stils von Carl Philipp Emanuel Bach. Reinagle muss sich in seiner neuen Heimat frisch und frei gefühlt haben, denn sein Allegro con brio klang unter Murtfelds flinken Fingern wie ein übermütiges Spiel lebendig gewordener Putti. Auch der zweite Satz glitzerte und funkelte in ständigem Fluss.
Leichtfüßig kam auf dem schlanken Flügel auch Beethovens "Waldsteinsonate" C-Dur op. 53 daher, in Frankreich wegen des stürmisch heraufziehenden lichten Tags auch "L'Aurore", die Morgenröte, genannt. Ein kapriziöses Spiel, ein munter sprudelnder, kraftvoll weiterstürmender Fluss, der in poetischen Ruheinseln verborgene Gedanken ahnen ließ. in durchgeistigter Schönheit erklang das Adagio, wie ein tastendes Ergründen, bis aus der Dunkelheit selige Freude, eine herrlich unbeschwerte Melodie erwuchs und in stolzer Schönheit das Licht triumphierte. Mit großem Staunen war zuletzt wieder zu erleben, welche Schönheit Franz Schubert in seinen vier impromptus op. 142 kurz vor seinem Tode der Welt schenkte. Nichts Bedrohliches hat die Dunkelheit im ersten Impromptu, das wie ein sicherer Hort wirkt. Sinnierend bewegt das warmherzige zweite eine liebe Erinnerung im Herzen, hell und frohzabuert das dritte in immer neuen Variationen keck, forsch, jubilierend oder trüumend glückhafte Momente. Wie ein munteres Pferdchen trabt im vierten das Allegro scherzando dahin. bezaubernd der Dialog der beiden Hände, die sich wieder zu heiterem Miteinander vereinen. Mit Claude Debussys "Feux d'artifice", einem wahren Feuerwerk aus den Préludes, verabschiedete sich der Künstler.

Christel Voith