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Südkurier

28.09.2010

Leidenschaftliche Liebeserklärung an die Musik

(...)
Murtfeld ist nicht nur ein brillanter Techniker, der durch hohe Präzision besticht, der sich mit zupackender Kraft und Leidenschaft in die Klangwelten stürzt. Gleichzeitig ist er ein großer Poet, der die Kontraste mit viel Liebe zum Detail herausarbeitet. Das erlebt der Zuhörer schon bei der eher schlichten Melodie und ihren Variationen von "God save the king" von Beethoven. So vollmundig wie er eben noch in die Tasten griff mit akkurat gemeißelten Läufen, so zart und leichtfüßig kommen diese gleich darauf daher, anmutend wie murmelnde Bäche oder hell sprudelnder Quell. Murtfelds Spiel zeichnet eine hohe Anschlagskultur aus. Es ist ganz nach innen gerichtet und von innen heraus gesteuert. Nur so ist die Tiefe und Sensibilität seiner Ausdeutung zu erklären. Vom Gravitätischen ins Sphärische, vom Bodenständigen zum Exotischen - Murtfeld versteht es, mit farbiger Erzählkunst Spannung aufzubauen, sie zu halten und so die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Mit jedem weiteren Werk offenbart Murtfeld seine ästhetische Musizierweise.

Fremdartiger Reiz und landestypischer Kolorit laden bei Villa-Lobos zum Träumen ein. Und selbst die eher unspektakulären Préludes No. 1,2,3, und 20 von Bourrel verwandelt Murtfeld in eine kunstvolles Klanggemälde. Einen regelrechten Tastenwirbel erzeugt der versierte Pianist in Chopins berühmter "Revolutionsetüde" - eine Melodie mit der rechten Hand über einer technisch anspruchsvollen Sechzehntelbewegung der Linken. Dieses rauschende, sinnliche Klanggewoge, mal umwerfend knackig, mal weich und hingebungsvoll ist von soghafter Wirkung. Lustvoll und nuancenreich schafft Murtfeld in Schuberts "Wandererfantasie" Atmosphäre und steuert mit sich langsam steigernder Dramatik auf den fulminanten Höhepunkt zu. Der begeisterte Applaus der Zuhörer wird mit dem venezianischen Gondellied von Mendelssohn Bartholdy belohnt, das sich wohltuend aufs Gemüt legt. In seiner Intensität und von ganz innen heraus kommenden Kraft und Emotionalität sind Murtfelds Interpretationen eine einzige Liebeserklärung an die Musik.

Elfi Braschel