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Hersfelder Zeitung

5. August 2008

Das wohltemperierte Glück - Ein Höhepunkt der Festspielkonzerte zum Schluss: Im J.S.Bach-Haus spielte das renommierte Trio Marc Coppey (Violoncello), Ulrich Roman Murtfeld (Klavier) und Koh Gabriel Kameda (Violine) hinreißend schöne Werke von Beethoven, Franck, Dvorák, Piazolla, Bach, Mendelssohn und anderen.

Bad Hersfeld. Der Charaktervolle: Marc Coppey aus Frankreich, der ein edles Goffriller-Violoncello (Venedig 1711) spielt, beginnt Beethovens Sonate A-dur op. 69 allein und besticht vom ersten Ton an mit jener Mischung aus Klang und musikalischer Geste, die eine starke Künstlerpersönlichkeit ausmacht. Der Empfindsame: Koh Gabriel Kameda, Deutsch-Japaner, verzaubert in César Francks nicht minder bekannter A-dur-Sonate mit einem feinnervigen, in sich gekehrten und in den Ballungszentren des zweiten und vierten Satzes dennoch explosiven Geigenton. Der Elegante: Ulrich Roman Murtfeld aus Frankfurt füllt die Partnerrolle am Klavier alles andere als neutral aus, vielmehr geschmeidig und prägnant, vielgestaltig und inspirierend.

Form und Inhalt
Vor der Pause in der ersten von zwei Wochenend-Kammermusiken im Rahmen der Festspielkonzerte also zwei 'Duos. Da deutete sich auch an, was im zweiten Programmteil kulminierte. Die klassisch-romantische Musik ist nämlich nur dann wirklich groß, wenn die Kategorien Form und Inhalt einander bedingen, befruchten, steigern. Beethovens solo einsetzendes Violoncello, die Umstellung und Neugewichtung der Mittelsätze, die melodische Dominanz im Finale oder auch Francks hälftig disponierte Sonate mit ihren Motivwanderungen - das ergibt höchst individuelle und eloquente Kompositionen, gerade weil ihre beiden Schöpfer vom schematischen Denken, von bloßer Formenerfüllung sich emanzipieren.
Erst recht Dvorák in seinem Trio e-moll op. 90. Den Beinamen "Dumky-Trio" vermachte ihm die Dumka (Plural: Dumky), ein ukrainisches Tanzmodell. Ähnlich wie der ungarische Csárdás, der griechische Sirtaki, der portugiesische Fado, der spanische Flamenco, der argentinische Tango setzt es Innigkeit und Überschwang, Sinnen und Drängen in ein Spannungsverhältnis.

Untergründige Spannung
Sechs Mal passiert dieser Umschlag, und es war faszinierend, wie die drei Instrumentalisten - Coppey sogar mit Perkussionseffekten seines Cellos- jedes Mal erst selig zu verweilen schienen, untergründig die Spannung aufbauten und dann das imaginäre Ventil für den leidenschaftlichen Ausbruch fanden. Eine knifflige Kunst des Übergangs, perfekt beherrscht. Wohl auch, weil hier drei Temperamente verschmolzen. Musik als Glücksfall von Beziehungen. Dazu ein fast gefülltes Johann-Sebastian-Bach-Haus, ein verständiges, begeisterungsfähiges Publikum und Astor Piazzollas Tango "Oblivion" als Zugabe.
Siegfried Weyh