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Wiesbadener Kurier


08.12.2007


Wie der Pianist im Naturwissenschaftler siegte
Ulrich Roman Murtfeld präsentiert morgen Vormittag eine Beethoven- und Villa-Lobos-Matinee im Wiesbadener Museum

"Das ist ein großes Anliegen von mir", sagt Ulrich Roman Murtfeld und meint die Auseinandersetzung mit den Klaviersonaten Ludwig van Beethovens: "Monumental" findet der 1970 in Frankfurt geborene Pianist diese Summe von 32 Werken. Zweii von ihnen wird er morgen bei einer Matinee im Wiesbadener Museum aufführen, dazu Klavierwerke von Franz Liszt und dem brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos. "Ich versuche, Werkverbindungen herzustellen", erläutert Murtfeld im Gespräch mit dem Kurier, etwas "Faustisches" sieht er sowohl in Liszts Dante-Sonate wie auch in Beethovens Klaviersonate Nr. 32 c-moll op. 111.

Erst vor kurzem hat Murtfeld diese letzte Klaviersonate Beethovens in Berlin gespielt, bei der Präsentation eines neuen Kommentars zu Thomas Manns "Doktor Faustus". In diesem Roman geht der Musiklehrer Wendell Kretzschmar in einem breiten Vortrag bekanntlich der Frage nach, warum Beethoven zu dieser Sonate keinen dritten Satz geschrieben hat. "Wie ein Sich-Entfernen" sei die Variationenfolge des zweiten Satzes, so Murtfeld, und spricht von einem "Abschiedsdenken in dieser Musik". Eröffnen wird er seine Matinee mit der in e-moll stehenden 27. Klaviersonate op. 90, trotz ihrer nur gut zwölf Minuten Spieldauer keinesfalls ein leichtgewichtiges Werk: "Das ist voller, genialer Beethoven", findet der Pianist und betont, dass sich hier der Stil der späten Sonaten bereits ankündige: "Da gibt es Stellen, die diese Transzendenz haben".
Auch wenn dies beiden Beethoven-Sonaten die erste Hälfte der Matinee ausmachen - seine Repertoire-Schwerpunkte sieht Ulrich Roman Murtfeld, der heute in Karlsruhe lebt, auch in der Romantik, der französischen und der zeitgenössischen Klaviermusik. Ein Wunderkind sei er nicht gewesen, hat neben seiner pianistischen Ausbildung unter anderem am Mozarteum Salzburg, ein naturwissenschaftliches Studium in München abgeschlossen. Als freier Pianist trat er nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Brasilien auf - es seien enge persönliche Beziehungen, die ihn mit diesem Land verbinden, "und ich habe dort sogar Werke brasilianischer Komponisten uraufgeführt".
Mit Heitor Villa-Lobos wendet er sich am Ende seines Wiesbadener Konzerts sozusagen dem Klassiker unter den Komponisten dieses südamerikanischen Landes zu. Dessen in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandene "Bachiana Brasileira" Nr. 4 ist eine der freien Johann-Sebastian-Bach-Adaptionen, die Villa-Lobos für verschiedene Besetzungen komponiert hat. "Im Prinzip bewege ich mich weg von dem Vorherigen, von Beethoven und Liszt. Aber dafür habe ich den Effekt, dass man zu etwas ganz anderem kommt." Man darf auf eine abwechslungsreiche Matinee gespannt sein.

Axel Zibulski