Startseite

Portrait

Repertoire

Konzerte

Presse

Workshops / Projekte

Fotos

Audio

Schriften

Kontakt

Allgemein:

 

Mainzer Rhein-Zeitung

16. März 2007

Flügel mit Objekten präpariert
Ulrich Roman Murtfeld zeigt ein großartiges Spiel aus Schloss Waldthausen


"Budenheim. Wenn der Pianist Ulrich Roman Murtfeld am Flügel sitzt, verliert er keinen Moment den Überblick über das musikalische Geschehen. Selbst wenn er sich ganz einer Passage hingibt, bleibt die Gesamtstruktur erkennbar, scheint alles klar durchdacht zu sein.
Vielleicht hängt das damit zusamen, dass der 37-Jährige neben seinem Musikstudium auch noch ein Diplom am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik erworben hat. Der Pianist stellte sich jetzt im Schloss Waldthausen mit Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven vor, kombiniert mit einem Stück der Komponistin Adriana Hölszky und Franz Liszts Klavierfantasie "Après une lecture de Dante".
Vor allem bei einem gigantisch-expressiven Werk wie Beethovens "Waldstein"-Sonate fällt Murtfelds Fähigkeit auf, die musikalische Architektur eines Stückes herauszustellen: Die rechte und die linke Hand scheinen gänzlich unabhängig voneinander agieren zu können. Trotz aller Wucht kann eine neu einsetzende melodische Linie völlig zurückgenommen und fast emotionslos daherkommen. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, dass hier mehrere Stimmen einen Dialog miteinanderführen.
Dass sich Murtfeld in seinem Konzert für ein analytisches Werk wie das "Hörfenster für Franz Liszt" der Komponistin Adriana Hölszky entschieden hat, verwundert da nicht. Ihr gehe es nicht so sehr um die klingende Musik, erläutert die Komponistin im Gespräch mit der Moderatorin. Sie wolle vielmehr die leeren pianistischen Gesten, die bei einer Aufführung von Liszt-Werken angewandt werden, entlarven. Dazu verfremdet sie den Klang. Auf den Aluminiumfolien, die im Flügel auf den Saiten liegen, werden Rasseln, kleine Ketten oder Holzstöcke verteilt, die sich bei jedem Anschlag bewegen. Die meisten Töne klingen dadurch seltsam metallisch nach und vibrieren, als wäre der Flügel uralt und verstimmt. Dadurch will sie den Zuhörer für das sensibilisieren, was durch diese Selbstdarstellung des Pianisten oft in den Hintergrund tritt: das Werk Liszts.
Diese Gefahr ist bei Murtfeld aber sowieso nicht gegeben. Bei der Liszt-Fantasie vermeidet der Pianist vor allem am Schluss des rasanten Rondos jeden schwelgerischen Duktus: Anstatt drauflos zu stürmen hält er sich extrem zurück, nimmt die Passagen äußerst überlegt und lässt stattdessen einzelne Figuren und Motive zur Geltung kommen. Das wirkt auf den ersten Blick etwas spröde, in der Gesamtwirkung aber ist es grandios."

Claudia Bathe