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Frankfurter Rundschau

20. Juli 1989

Russisches Stampfen

„In Amerika hat er schon einige Schritte auf dem Wege zum Ruhm zurückgelegt, im Amerika-Haus in Frankfurt bewunderte ihn jetzt seine große heimische Gemeinde: Ulrich M.R.Murtfeld. Den Namen des neunzehnjährigen Pianisten, der gerade in Königstein/Taunus sein Abitur ablegte, wird man sich wohl merken müssen. Wenn die Stufenleiter zur Meisterschaft – nach den Stationen Hoch’sches Konservatorium und Professur Irina Edelstein - weiterhin behutsam ohne überstürzten Podiumsdrang erklommen wird, dürfte der junge Künstler in angemessener Zeit mehr und mehr von sich reden machen.

Mit einer geschickten chronologischen Programmauswahl durch zwei Jahrhunderte stellte er seine solide Vielseitigkeit vor. So musste am Anfang Johann Sebastian Bach stehen und Präludium und Fuge g-Moll, BWV 861, waren die richtige Dosierung für den lückenlosen Nachweis, die Technik souverän zu beherrschen, die Kunst der Zerlegung des musikalischen Materials. Um darauf dann nach eigenen musikalischen Gestaltungen zu suchen, wie besonders im nachfolgenden Vortrag von Beethovens Waldstein-Sonate, Nr. 21, opus 53. Was für ein Wagnis. Ungestüm, forsch, mit fein abgestufter Dynamik, spielte er mit den aufsteigenden und absinkenden berühmten Themen.

Und dabei blieb es. Bei Liszts Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H ebenso wie – zum Abschluß des kleinen musikgeschichtlichen Exkurses – bei Serge Prokofieffs Toccata opus 11. Was man vom bescheidenen, fast noch schüchternen Auftreten her des stattlichen jungen Mannes nie und nimmer erwartet hätte: am Flügel explodierte er im Rhythmus dieses Geniestreichs von Prokofieff zu rauschhaftem Taumel. Ein russisches Stampfen im Amerika-Haus.“