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Saarbrücker Zeitung

1. Juli 2005

Technik im Dienst feinsten Ausdrucks


„Ravel vernimmt eines Morgens einen Amselruf vor dem Fenster, eilt zum Notenpapier und zeichnet ihn auf. So sollen die ‚Oiseaux tristes’ aus den ‚Miroirs’ entstanden sein. Der junge Frankfurter Pianist Ulrich Murtfeld beginnt mit diesem ornitologischen Kurzfilm seinen Klavierabend in der Saarbrücker Musikhochschule. Noch andere Vogelstimmen kommen hinzu, die musikalischen Metamorphosen beginnen.

Murtfeld stellt seine enorme Technik ganz in den Dienst des feinst verästelten Ausdrucks. Eine kunstvolle Interpretation ganz im Sinne des rational-überlegen planenden Komponisten. Denn der Pianist ist sich darüber klar, dass die Ravelschen Impressionen zwar von der malerisch-poetischen Assoziation ausgehen, sie aber planvoll erweitern. Das gibt Murtfelds Sageweise einen sympathisch intellektuellen Tupfer. Er hält gewissermaßen Abstand, hört kritisch hinein und macht Formales wesentlich. Dutilleux’ Sonate (1947) mit ihren an Prokofjew gemahnenden brillanten Schlagtechniken ist ein Stück, das Pianisten zu schwülstiger postromantischer Wühlarbeit verleiten könnte. Nicht so Murtfeld: Dank seines überaus lockeren Handgelenks ist er in der Lage, den kompositorischen Schaffensprozess sozusagen wiedererstehen zu lassen. Er richtet seine Spielweise so durchsichtig und werkimmanent-sinngebunden ein, dass der Hörer den architektonischen Grundzügen zu folgen vermag. Das ist mit ein Grund, warum Murtfelds Repertoire etliche zeitgenössische Klavierproduktionen enthält. Die 24 Préludes des Casablanca-Franzosen und Casella-Schülers Ohana (1914-1992) mischen erregend zwölftönige, serielle, atonale oder freitonale Bausteine zu einem rhythmisch ungemein ausufernden Kosmos.

Das ist feines, sehr planvolles und erhellendes Klavierspiel. Es gehört zum Besten, was man seit Langem gehört hat. Auszüge aus Debussys Préludes bestätigen zum Schluss Murtfelds sensible Durchleuchtungskraft und schließen einen stilistischen Kreis zum anfänglichen Ravel. Das leider kleine, doch umso fachkundigere Publikum klatschte sich die Finger wund.“